Wenn die Bamberger Symphoniker und ihr Chefdirigent Jakub Hrůša gemeinsam auf der Bühne stehen, sind nicht nur die Plätze im Konzerthaus an der Regnitz ausverkauft: Auch die großen Opern- und Konzerthäuser der Welt sind gut besucht, wenn Hrůša zu Gast ist.
Die Symphoniker bieten Ruhe in einer erschütterten Welt
Seit acht Jahren dirigiert der gebürtige Tscheche die Bamberger Symphoniker. Im vergangenen Jahr hat er sein Engagement nochmals bis zum Jahr 2029 verlängert. Und das, obwohl er ab 2025 parallel die Position als Musikdirektor am renommierten Royal Opera House in London angenommen hat.
Es ist selten, dass ein Ensemble und sein Dirigent so lange erfolgreich und zufrieden zusammenarbeiten wie Hrůša und die Symphoniker. Oft ist nach einigen Jahren die Luft raus, was die Kreativität, den Enthusiasmus und das gemeinsame Wachsen angeht.
In Bamberg ist das anders.
Warum er die Zeit mit den Symphonikern ohnehin braucht, sehen Sie hier in einem kurzen Videoausschnitt aus der Podcast-Aufzeichnung:
Jakub Hrůša im Podcast "Fränkischer Talk" über die Entscheidung für Bamberg
Und danach?
Ist 2029 wirklich das Ende für Jakub Hrůša in Bamberg?
"Natürlich gibt es eine gewisse Limitation, wie lange man einander grundsätzlich inspirieren kann", sagt der Chefdirigent im Podcast "Fränkischer Talk".
Für 2029 sehe er das Ende seiner Chefdirigenten-Tätigkeit in Bamberg – "zu 99 Prozent".
Warum er sich so früh entschieden hat, über 2026 hinaus zu bleiben und warum in fünf Jahren wirklich das Ende seiner Bamberger Zeit kommen werde, verrät er im "Fränkischen Talk".
Das ganze Gespräch zwischen Hrůša und Journalistin Andrea Pauly hören Sie kostenfrei auf allen üblichen Podcast-Plattformen wie Spotify, Apple Podcasts oder direkt hier:
Eine intime Zone zwischen Orchester und Dirigent
Im Podcast erlaubt Jakub Hrůša viele Einblicke in sein Denken und seine Selbstverständnis als Dirigent. Er erklärt, warum es für ihn gut ist, dass er im Konzert das Publikum im Rücken hat: "Ich drehe mich um und ab dem Moment beginnt eine intime Zone zwischen den Musikern und mir. Dann ist das Publikum geschätzt, aber sekundär."
Die wichtigste und längste Phase seiner Arbeit ist die Auseinandersetzung mit der Partitur. "Musik ist weniger explizit als Worte, subjektiver", beschreibt er. "Gleichzeitig ist Musik fast mathematisch."
Eine Freundschaft zwischen Dirigent und Komponist
Hrůša erklärt, was in seinem Kopf passiert, wenn er eine Partitur sieht und wie er sich mit der Musik auseinandersetzt. Er ist sich sicher, den Charakter der Komponisten in ihren Werken zu entdecken. "Wenn ich nichts Biografisches über einen Komponisten wüsste… den Charakter oder die Natur könnte ich aus einer Palette von Stücken nennen."
In dieser Arbeitsphase möchte er niemand anderen präsent haben.
Von den Proben bis zum Konzert
Die zweite wichtige Phase sind die Proben mit dem jeweiligen Orchester. Dieses Kollektiv zu einer Einheit zusammenzubringen, sei die Aufgabe des Dirigenten. "Dafür muss man eine starke Vorstellung davon haben, wie man das Stück haben möchte", sagt er. "Aber noch wichtiger ist eine menschliche Überzeugung, dass die Leute das gerne machen. Ohne das Gefühl, dass es eine Pflicht oder Druck oder ein Befehl ist, sondern in einer Atmosphäre von Zusammenarbeit und Kollaboration."
Der dritte Teil ist "die Krone": das Konzert. Dann sei maximale Konzentration gefordert. "Man ist verantwortlich für die Laune, für die Atmosphäre", beschreibt Jakub Hrůša. Das sei aus Sicht vieler Dirigenten das, was am schwersten zu lernen sei.
Wenn Solisten spielen, gibt Hrůša die Macht weiter
Die Verantwortung gibt er nur selten ab; nämlich dann, wenn Star-Solistinnen oder Star-Solisten mit auf der Bühne stehen. Dann überlässt er ihnen die Macht über das Werk und sieht sich als ihr Diener. "Wie könnte ich das stören?"
Jakub Hrůša ist einer der Dirigenten, die sich – egal, mit welchem Ensemble er spielt – Stücke und Solisten aussuchen kann. Wie er dabei vorgeht, erzählt er ebenfalls im Podcast. Und er verrät, welche Stücke ihn früher mal begeistert haben und heute nicht mehr.
Eine ganz besondere Komposition ist für ihn eines, das er häufiger dirigiert hat als alle anderen: Smetanas "Die Moldau".
"In Böhmen ist es viel schwerer, 'Die Moldau' zu spielen. Denn da gibt es oft zu viele konkrete Erwartungen. Wenn man als Zuhörer ins Konzert geht und hofft, ein Stück so zu hören wie in der Aufnahme zuhause, und wir bieten etwas anderes an, ist der Zuhörer enttäuscht."
Jakub Hrůša: "Ich hatte Talent, aber ich war kein Wunderkind"
Im Gespräch mit Andrea Pauly erzählt Jakub Hrůša aus seiner Kindheit, von seiner Liebe zur Musik und dass er zwar talentiert, aber kein Wunderkind gewesen sei. Er habe schon gern gespielt, aber für das regelmäßige Üben brauchte es auch den Druck der Eltern. "Wie jedes Kind wollte ich oft mehr draußen sein und Sport treiben und nicht am Klavier sitzen", erinnert er sich. "Zauberhafte Resultate hatte ich auch nicht."
Seine Eltern waren beide keine professionellen Musiker. Das gab womöglich den Ausschlag für seine Karriere: "Ich habe immer gehört: Wenn Du einen Beruf findest in der Musik, den du echt magst, wirst Du ein glücklicher Mensch."
Wenn Sie mehr über die Symphoniker hören möchten, finden Sie hier die Folge mit Intendant Marcus Rudolf Axt:
Weitere Folgen mit Erzbischof, Autoren und Sportlerin
Hier sehen Sie weitere Folgen. Diese und viele mehr finden Sie in der Übersicht auf www.fraenkischer-talk.de.
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